Vortrupp
Unser Wunsch war in Erfüllung gegangen. Wir hatten ein OT eigenes Auto, ein Transit, im Herbst letzten Jahres dankenswerter Weise von den GEW-Werken erhalten.
Das sollte in diesem Jahr unser Troßwagen sein, der alle notwendigen Utensilien, angefangen von Lebensmittelvorräten bis hin zu den Zelten, zu transportieren hatte.
Günter Sagafe sollte das Auto fahren. Beladen wurde ab 10 Uhr Montags nach dem Sommerfest. Ein Freund der OT stelle noch einen Anhänger zur Verfügung, der die Großzelte aufnahm. Als wir mit dem Laden fertig waren, sollte sich der Anhänger als notwendige Ausrüstung erweisen, denn der Transit war bis unters Dach beladen.
Gegen 13:30 Uhr konnten wir dann eindlich losfahren. Die Fahrt verlief ohne große Zwischenfälle bis auf die Tatsache, dass "PFadfinder" Günter die Autobahnabfahrt nach Straßburg verpasste und wir so eine der nächsten Ausfahrten nahmen, die uns durch die "Wallachei" und dann auch über einen Minigrenzübergang führte - eine alte Pionierbrücke mit Holzbohlen, die über einen Rheinarm führte und wohl auch noch in der Lage war, Schiffe passieren zu lassen.
Gegen 20:15 Uhr trafen wir auf dem Zeltplatz ein. Da wir alles vorher mit dem Besitzer und Pächeter besprochen hatten, rissen wir den Zaun ein und wunderten uns dann aber über den weiteren Zaun auf der Hälfte des Platzes, den wir eigentlich nicht erwartet hatten. Doch es dauerte nicht einmal 5 Minuten , da zeigte sich der Pächter des Platzes, der Schäfer Herr Göoettelmann und fragte uns ganz erstaunt:
"Wie Sie kommen heute schon ? Ich wollte an sich morgen meine Schafe noch ein paar Tage auf den Platz treiben!"
Doch wir klärten das Missverständnis auf und begannen dann mit dem Aufbau des ersten zeltes für unsere Übernachtung. Der weitere Zaun, erklärte er auf unsere Frage, sollte den Platz teilen, um dorthin Schafe treiben zu können. Dies sollten wir aber bis zum Ende unseres Lagers nicht erleben.
Vielleicht fürchtete er, wir könnten aus einigen besonders guten Tieren Lammbraten machen.
Am nächsten Tag erfuhren wir, dass am Mittwoch französischer Feiertag, der 14. Juli (Sturm auf die Bastille) war. Das sollte unsere erste Planung umwerfen. Zuerst hieß es also einige organisiatorische Dinge zu klären, wie Beschaffung von Wasser, Toiletten usw., danach noch Einkäufe erledigen, und dann erst die restlichen Zelte aufbauen. Da wir durch den neuen Zaun nicht mehr auf den für die Küche vorgesehenen Platz konnten, erwieß sich dies als nicht mehr so einfach.
Schläuche mussten besorgt werden, sowie Klemmen, Verbindungsrohre und Anschlüsse. Als wir gegen 18 Uhr alles organisiert hatten, kam der öffentliche Görtner und nahm den Schlauch wieder mit, da er noch den Garten sprengen müsse. Es blieb uns am Abend aber noch soviel Zeit, das Norbert und ich dann noch mit den Franzosen in Ammerschwihr ein wenig den Vorabend des 14.juli feiern konnten.
Der Zeltaufbau am nächsten Tag ging dann zügig vonstatten. Es gab ja nichts, was wir anders hätten tun können, denn alles war ja zu. So schafften wir an diesem Tag alles bis auf zwei Zelte, bei denen die Häringe unvollständig waren.
Die machten wir uns dann am Donnderstag.
Als der Bus mit den Teilnehmern dann ankam, war alles klar bis auf einige Kleinigkeiten, wie z.B. Toilette, Bannermast. Volleyballnetz, Abfallplätze an Zelten. Dies wurde jedoch schnell mit allen im lagerbau nachgeholt.
Die Geisterwanderung
Eine Geisterwanderung gehört zu jedem richtigen Zeltlager.
In diesem Jahr hatten wir uns für die schaurig-schöne Wanderung ein Wladstück ausgesucht, das in der Umgebung wegen der geheimnisvollen Dinge, die dort passieren, bekannt war.
Die Geisterwanderung fiel übrigens eigentümlicherweise mit einem Besuch von Freunden zusammen, die aus Köln gekommen waren.
Will etwa einer behaupten, hier bestehen Zusammenhänge ?
Lassen wir Marion erzählen, wie der Abend verlaufen ist:
Es war spät am Abend. Wir saßen im "Johnny", sangen Lieder, erzählten und machten uns gegenseitig Mut.
Gegen 10:30 Uhr war es dann soweit.
Wir zogen uns festes Schuhwerk und Regenzeug an und wanderten in die Nacht hinaus.
Die Männer und Frauen die uns aus Köln besucht hatten, waren schon seit einer Stunde verschwunden, nachdem sie gesagt hatten, dass sie in die Stadt gehen wollten.
Ich habe es nicht so recht geglaubt!
Wir sind also losgewandert.
Kaum hatten wir eine freie Stelle oberhalb der Weinberge erreicht, machten wir Halt.
Vor uns lag ein Waldweg der im Dunklen kaum zu sehen war. Nun sollte jeder einzeln hineingehen.
Ich bin mit Günther gegangen.
Kaum waren wir einige Meter im Wald, brach ein höllischer Krach von links los.
Erleuchtete Fratzen tauchten auf, markerschütterndes Lachen ertönte.
Schatten wirbelten durch die Luft, geheimnisvolle Wesen versuchten unds festzuhalten.
Überall war etwas los.
Dazu kam der Schlamm und der Matsch. Im Dunkel hatte man das Gefühl, als wenn man im nächsten Moment im Boden versinken würde.
Ich war froh als wir das Ende des Waldweges erreicht hatten und das der Günther dabei war.
Als wir wieder alle zusammen waren, sind wir inst Zeltlager zurück maschiert.
Gegen halb eins lagen wir in unseren Schlafsäcken und träumten davon, was wir erlebt hatten.
Freitag, 1. Januar 1982
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