Ferien in der Normandie
n den ersten 3 Wochen der Sommerferien startete die OT St. John zu einem Zeltlager in Jumiege in der Normandie. Los ging es am Abend des ersten Ferientages, am 5 Juli. Der Bus fuhr sehr spät ab, da wir, wie üblich über Nacht fuhren. Die Strecke war jedoch wesentlich kürzer als in den vergangenen Jahren.
Pünktlich zum Frühstück war der Bus in Jumieges angekommen. Danach ging es zum Zelte einrichten und zum Kennen lernen der Gegend. Ziemlich schnell hatten die Kinder herausgekundschaftet, was es alles für Möglichkeiten gab. So z.B. der tolle See, der nicht nur zum Schwimmen lockte, sondern auch zu anderen Aktivitäten wie Segeln und Kanufahren.
Die verschiedenen Sportmöglichkeiten, Kletterberg, Volleyballplatz, Kleinfußballfeld, Tennisplätze und ein Klettergerüstturm wurden ziemlich schnell von den Kindern in Anspruch genommen. Aber auch der Lagerplatz, der eigentlich auch ein Teil des Campingplatzes war, war nicht uninteressant.
Wir hatten 5 Parzellen zugewiesen bekommen, auf denen wir unsere Zelte errichten konnten.
Küche, Eßzelt und Büdchen wurden ziemlich direkt neben das Versorgungshäuschen plaziert. Das Versorgungshäuschen, in dem sich auch die Toiletten, Duschen und Waschräume befanden, sollte sich in den folgenden 3 Wochen des öfteren als Treffmöglichkeit zwischen französischen und unseren Kindern entwickeln. Dies lief natürlich nicht immer friedlich ab. Doch in der Hauptsache vertrugen sich die Kinder untereinander.
Ein Wermutstropfen wurde uns schon vor Beginn dieses Lagers eingerührt. Der LKW hatte gerade das Lager verlassen, die Koffer und anderen Materialien waren ins große Eßzelt geräumt worden, wo sie unserer Meinung nach eigentlich auch ziemlich sicher lagen. Am Mittwoch mittag erschien die Polizei und fragte mich nach dem Namen eines Mädchens. Ich war ziemlich überrascht. Er fragte noch ein zweites Mal. Als ich dann meine Überraschung überwunden hatte, fragte ich ihn, woher er den Namen des Mädchens kenne, denn dieses käme erst mit dem Bus am Freitag im Lager an. Daraufhin forderte er mich auf, mit zum Auto zu kommen. Welch böse Überraschung, er zeigte mir einen Koffer, der rundherum aufgeschlitzt worden war. Die Polizei hatte den Koffer am See gefunden. Wir konnten nur feststellen, daß die Kleidung noch im Koffer vorhanden war. Durch einen Anruf bei der Mutter, erfuhren wir, daß der Kulturbeutel und ein Handy fehlten. Jetzt ging uns natürlich die Muffe, sollten noch mehr Taschen oder Koffer dem Räuber zum Opfer gefallen sein. Wir konnten dies auf Anhieb nicht feststellen. Jedoch am Freitag, als die Kinder mit dem Bus eintrafen, mußten wir leider feststellen, daß noch eine weitere Reisetasche gestohlen worden war. Diese war jedoch nicht wieder aufgetaucht, so daß meine erste Aktion war; Einkauf zweier Waschtaschen und Kleidung für die Besitzerin der Reisetasche.
Übrigens, die letzten beiden Nächte vor Ankunft des Busses stellten wir Nachtwachen auf, um nicht noch mehr Schaden zu erleiden. Außerdem hatten wir ab sofort bei der Polizei einen Stein im Brett. Auch sie kontrollierte jetzt des öfteren den Campingplatz zur Nachtzeit, um so vorbeugend zu handeln. Dies sollte sich auch noch während des Ferienlagers weiter fortsetzen.
Das Programm der drei Wochen war sehr abwechslungsreich. Für jeden war etwas dabei.
So nutzten einige von uns den See nicht nur zum schwimmen, sondern zwei Gruppen a 10 Teilnehmer/innen lernten, mit dem Katamaran zu segeln und eine Gruppe von 10 Teilnehmer/innen erlernte das Kanufahren. Zwei Gruppen a 10 Teilnehmer/innen hatten die Gelegenheit, einen Kurs für Tir A Larc, zu deutsch Umgang mit dem Pfeil und Bogen, mit zu machen. Daneben gab es noch eine Aufgabenwanderung, eine Besichtigung der nahe gelegenen Abbey de Jumieges, Lagerabende am Lagerfeuer mit Geschichten, Quiz und Gesang und einer zwei-Tages-Tour, die für zwei Gruppen mehr oder weniger ins Wasser gefallen war, da die Normandie ihrem Namen alle Ehre erwies und der Himmel wie aus Kübeln schüttete, doch 5 Gruppen hatten eine Unterkunft gefunden, wobei eine Mädchengruppe sich Probleme mit Zecken eingehandelt hatte, da sie eben unter dem Heuboden schliefen und nicht auf dem Heuboden, wie die Jungengruppe.
Eine Jungengruppe hatte die besondere Gelegenheit, unter Leitung von Alfa eine 4 Fähren Wanderung machen zu dürfen. Sie hatten in den ersten Tagen Schwierigkeiten miteinander zurecht zu kommen, so daß wir uns entschlossen, der Wind der Seine könne die Gemüter wieder besänftigen. Ich hatte die Gelegenheit, die Gruppe bei der letzten Fährübersetzung - die Benutzung der Fähre war für Fußgänger kostenlos - zu treffen um ihnen Getränke zu bringen und durfte feststellen, daß sie alle heiterer Dinge waren und wohl offensichtlich der Wind der Seine seinen Teil dazu beigetragen hatte.
Natürlich standen auch sportliche Aktivitäten auf unserem Programm, so z. B. ein Boule-Turnier, das Nationalspiel der Franzosen, Volleyball-Turnier und das traditionelle Fußballspiel Teilnehmer gegen Leiter und die immer wieder interessante Lagerolympiade mit 9 verschiedenen Disziplinen.
Auch Ausflüge mit dem Bus gehörten zum Programm. Unsere erste Reise führte uns über die Ponte de Bretone nach Treauville, eigentlich zum Schwimmen im Meer, doch auch hier machte uns nach etwa einer Stunde der Regen einen Strich durch die Rechnung. Zurück fuhren wir über Honfleur, eine zauberhafte Stadt, die wir über eine gute Stunde lang besichtigen konnten und wieder über die Ponte de Bretone, die uns fast zu einem Erlebnis der besonderen Art verholfen hat.
Ihr müßt euch vorstellen, die Brücke ist ziemlich steil, mindestens 6 %, kurz vor dem höchsten Punkt der Brücke ging dem Bus der Motor aus. Ich schaute verwundert den Fahrer an, der schaute zurück und versuchte den Bus zu starten. Nichts ging, von hinten ertönte die Stimme von Denis: "Stell den Fuß auf das Gas, ich will über die Brücke". Hinter uns stand der Scudo, auch die wußten nicht, was los war. Ein dritter Versuch, ein vierter Versuch, der Motor ging wieder an und mit viel Gefühl schaffte es der Fahrer, den Bus über die Spitze der Brücke zu bewegen. Gott sei Dank", entfuhr es meinen Lippen, und den Fahrer fragte ich: "A ves vous un probleme?" Worauf er antwortete:" Non, ca va." Wir fuhren also weiter, Richtung Jumieges, jedoch vor dem Ort davor, nämlich vor Yainville war noch eine leichte Anhöhe, auch hier starb der Motor wieder ab. Jetzt war es dem Busfahrer zu bunt, er stellte den Bus an den Straßenrand, ging zum Motorraum, öffnete ihn und holte aus einer Klappe einen Filter und stellte fest, daß dieser zugesetzt war. Dann sagte er zu mir: "Merde, une bacterie", und fing an diesem mit einem Lappen zu säubern. Dann baute er ihn wieder ein und der Motor lief wieder wie eine eins. So schafften wir es doch noch, unseren Zeltplatz an diesem Abend wieder zu sehen.
Die zweite Fahrt führte uns nach Paris, zum Parc Asterix. Ein wundervoller Tag in einem tollen Ambiente, mit tollen Bahnen und Aktivitäten und einer super Delphin-Show war Viel zu schnell zu Ende. Von morgens 7:00 an waren wir unterwegs und abends um 20:00 Uhr wieder froh und glücklich im Zeltlager zurück. Hier gab es noch das übliche Abschluß-Essen eines solchen Tages „Eierravioli".
Ein ganz überraschender Besuch, mit dem wir, ich erst recht nicht, überhaupt nicht gerechnet hatten kam am Freitag den 21. in unser Lager. Norbert Campmann und seine beiden Söhne, Toby und Bastian tauchten in unserem Lager auf. Sie setzten sich sofort mit ans Lagerfeuer und sangen mit uns. Als die Kinder sich für die Nachtruhe fertig machten hatten wir uns natürlich viel zu erzählen. Noch zwei weitere Besucher hatten wir, die mit ihren Motorrädern gekommen waren, nämlich Volkan und Markus aus Stammheim.
Diese 5 ließen sich etwas ganz besonderes einfallen. Sie organisierten die Nachtwanderung und den dazu gehörenden Gespenstergang. Dieser fand Sonntagnacht statt. Die härteste Station, die ich überhaupt erlebt habe, war die von Volkan. Im stockfinsteren Wald hatte er sich mit seinem Motorrad aufgebaut, immer wenn einige Kinder an ihm vorbei wollten, startete er, mit gleichzeitig angehenden Scheinwerfern sein Motorrad. Das Geschrei war groß!
Auf dem Weg zum Campingplatz zurück hatte natürlich Keiner Angst gehabt. Am Dienstag, den 24. Juli war es dann so weit, der LKW tauchte gegen 17:00 Uhr in Jumieges auf. Nun hieß es, die Rückfahrt beginnt. Am Mittwoch wurde alles zusammengepackt und verladen. Dann konnte der LKW seine Heimreise antreten. Der Bus führ gegen 22:30 Uhr in Jumieges ab. Nach einer Frühstückspause um 6:00 Uhr in der Raststätte Aachen-Land, kamen alle wohlgelaunt und wohlbehalten um 8:00 Uhr in Stammheim an.
Wieder einmal war eine schöne Ferienfreizeit vorbei.
Ich sage nur, auf ein Neues, bis im nächsten Jahr.
Hans-Josef Bauer