Sonntag, 1. Januar 1989

1989 Chouzon / Ardèche / Frankreich

6 Wochen Ferienlager

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Tortur oder Urlaub?


Es gibt viele, die glauben, daß Zeltlager auch Urlaub ist. Aus der Sicht der Teilnehmer ist das auch sicherlich richtig. Jedoch muß es Leute geben, die dafür sorgen, daß es auch Urlaub für die Kinder wird. Zu diesen gehören sicherlich auch meine Frau Renate und ich.

Es heißt schon viel, mit 70 Leuten, 54 Teilnehmer und 15 Erwachsene und einem Busfahrer in ein Zeltlager aufzubrechen. Der Einkauf will gut überlegt sein. Die Mengen, die man fürs Essen braucht sind ja nicht unbedingt gewöhnlich. Die Leiter sollten ja so angeleitet und eingeführt sein, daß sie im Sinne der Einrichtung agieren. Klar gibt es da schon mal eigene Ansätze. Jeder hat ja auch eigene Ideen, die er gerne anbringen will. Das Programm sollte ja auch abwechslungsreich sein, daß weder Heimweh für die Kleinen noch Langeweile für die Großen, aber .auch ein Hauch von Exklusivität aufkommt.

So ist sicher zu verstehen, daß aus Ideen auch Projekte entstehen, die vordergründig wahnwitzig klingen, im Endeffekt aber erfolgreich werden. Ich will das an einer Episode unseres diesjährigen Lagers erläutern.

Die Fahrt zum Mittelmeer

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2 Tages Tour

Halt. Wollten wir nicht zum Mittelmeer?
Ja klar, überlegt haben wir das. Jedoch die Schwierigkeiten. Wo schlafen wir? Nehmen wir Zelte mit? Wo kochen wir? Da müssen wir eine Vortour machen. Ach ja, Mittelmeer ist ja nicht weit. Fahren wir direkt in der ersten Woche und gucken?

Stop! Mittelmeer sollten wir laut Campingplatz-Mensch Mr. Roura eine Woche vorziehen, da die Franzosen noch keine Ferien haben ist das günstiger.

Also Übermorgen, Donnerstag, geht’s los. 9 Personen in den Trafic, der Rest in den Bus. Das geht ohne größere Schwierigkeiten. Doch was ist mit Essen? Es ist nach Mittag. Mit fällt ein, daß unsere Gruppenleiter nur nach den Gruppen geschaut haben. Material haben wir selbst verladen. In der Hektik habe ich doch -schei...- das Gasventil vergessen.

Ran ans Organisieren. - Da, eine Frittenbude - die haben nichts. Auf der anderen Seite ein Restaurant. Die Pänz schauen hungrig. Naja- Hin! Hubert muß Dolmetschen - ihm ist nicht wohl. Aber was soll's? Gut wir haben ihn rumgekriegt. Können die Ravioli auf seinem Herd kochen. Alles rüber zum Campingplatz mit Bus.

Wir schwärmen ein, wie ein Heuschrecken-Schwarm. Da flippt der Restaurant-Besitzer- oder ist es der Campingplatz-Chef aus. Wir müssen hintenrum. Na ja, - geht, Die Kinder können beim Essen sitzen. Was ist jetzt? Hubert heult. Was hat er? Muß ich mich später drum kümmern.

Jetzt wird Essen verteilt. Fertig machen zum Abmarsch. Alles ist aufgeräumt. Dem Campingplatzbesitzer, oder wer ist das, noch ein Ibi tscha als Contrapunkt. Dem Koch als Dankeschön.

Es geht weiter. Endlich am Meer. Alles strömt aus dem Bus, will ins Wasser.

Das müssen die Gruppenleiter organisieren. Ich muß noch einkaufen. Und Schlaflätze? "Komm Udo" Auf in den Trafic zum nächsten Ort. Erst Geld tauschen. Dann -Schei...- , auf dem Parkplatz, ein tiefer Kratzer im Trafic. Die Doofbacke ist weg. Pech. Einkaufen. Wir bestellen Fleisch zum Grillen. Die Frau hinter der Theke scheint mein perfektes französisch nicht zu verstehen. Ich noch einmal ganz langsam : soixante dix = 70 Stücke. Sie schaut mich ungläubig an. Ich nicke. Ja, da staunste, wat?

Endlich geschafft! Aus Nacken, Kotelett, Braten hat sie 70 Portionen gemacht. Noch Speck, dann den Rest. Und fürs Frühstück. Die Wagen sind voll. Brot bestellen wir morgen früh. Der Geschäftsführer kommt sogar neugierig runter. Schreibt Quittungen. Ich frage ihn wo wir vielleicht mit 70 Kindern schlafen könnten. Wir sollten mal zum Pfarrer. Das ist ne Idee.

Oder zum Bürgermeisteramt. Die Idee ist noch besser. Jetzt erst alles verladen. Dann auf. Zur Marie. Ein nettes Mädchen sitzt am Empfang. Udo und ich flachsen. Den Satz in französisch, den ich mir zurechtgelegt habe, bringe ich an. Sie überlegt. Sagt etwas. Ich antworte mit: Qui und sie deutet nach oben. Auf in ein Büro. Bei Frauen scheinen wir Glück zu haben!

Ich versuche wieder mein bestes französisch. Es klappt. Sie versteht uns. Sie meint es könnte gehen. Sie müßte aber fragen. Ein anderer wird gefragt. Der nickt, sagt aber etwas von Maire (Bürgermeister). Der kommt. Ich versuche es noch einmal. Dann ein kurzes NO.

Wir sollten in die Jugendherberge nach Sete. Die Zeit wird knapp. Man wartet auf uns. Raus zum Pfarrer. Der ist auch da, weist uns aber ab. Frauen, die wohl gerade kommen, geben uns den Rat zur Jugendherberge nach Sete.

Was soll's? Auf zum Strand.

Vorher noch Campingplatz anfahren. Hier Absagen und zu teuer. "Ach ja, Hajo seid ihr endlich wieder da? Wo schlafen wir?" tönt es mir entgegen, als wir wieder zur Gruppe stoßen.

Der Gedanke! Da ist noch ein geschlossenes Restaurant direkt am Meer. Die Frau macht sauber. Die gleiche Frage. Sie schaut mich an. Sagt, sie müsse fragen.

Ich warte. Sie kommt zurück. Wir dürfen auf der Veranda und davor schlafen. Puh! Gott sei Dank! Das andere wird schon gehen. Abends nach dem Grillen noch Lagerfeuer. Letzte Hinweise. Auf in den Schlafsack. Ich kann nicht mehr und gehe relativ früh schlafen. Am nächsten Tag wieder abends im Lager.

Die Kinder hatten Spaß am Meer. Es war ein Erlebnis. Das war's wert.

Die nächsten beiden Lagerwochen kriegen wir auch noch geschafft.




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